Wenn Golfer von europäischen Ausflügen träumen, schweifen ihre Gedanken meist zu den Links von Schottland, den Küstenjuwelen Irlands oder den sonnenverwöhnten Resorts Südspaniens. Frankreich, obwohl Heimat von mehr als siebenhundert Plätzen und einigen der geschichtsträchtigsten Privatclubs des Kontinents, erhält selten die Anerkennung, die es verdient. Das ist bedauerlich – und für den versierten reisenden Golfer eine enorme Chance.
Ich habe in den letzten zwei Jahrzehnten in dreißig Ländern Golf gespielt und kann ohne Zögern sagen, dass Frankreich ein Erlebnis bietet, das in Europa seinesgleichen sucht. Die Vielfalt des Geländes, die kulinarische Tiefe rund um jede Runde und die aufrichtige Herzlichkeit der französischen Golfkultur vereinen sich zu etwas, das den Sport selbst übersteigt. Erlauben Sie mir, Sie durch die Plätze und Regionen zu führen, die Frankreich unverzichtbar machen.
Le Golf National: Wo Geschichte geschrieben wurde
Jedes Gespräch über französischen Golf muss beim Le Golf National beginnen, der eigens errichteten Meisterschaftsanlage südwestlich von Paris in Saint-Quentin-en-Yvelines. Hier demontierte Thomas Bjørns europäisches Team die Amerikaner mit 17½ zu 10½ beim Ryder Cup 2018 und bescherte eine der emotionalsten Wochen in der modernen Geschichte des Turniers. Die Bilder jubelnder Fans, die die amphitheaterähnlichen Schlussbahnen säumten, haben sich in die Erinnerung aller eingebrannt, die dabei waren – mich eingeschlossen.
Der Albatros-Kurs, entworfen von Hubert Chesneau und Robert Von Hagge, ist ein Kraftakt. Wasser kommt auf fast der Hälfte der Bahnen ins Spiel, das Rough ist bewusst strafend angelegt, und der Wind, der über das offene Gelände nahe Versailles fegt, kann ein beherrschbares Par vier in etwas weitaus Bedrohlicheres verwandeln. Es ist zudem einer der wenigen wirklich großartigen Meisterschaftsplätze in Europa, der öffentlich zugänglich ist. Die Greenfees sind nicht günstig, aber die Möglichkeit, auf denselben Abschlägen zu stehen, die einen der größten Ryder Cups der jüngeren Geschichte beherbergten, ist jeden Centime wert.
Morfontaine: Der Club, der flüstert
Wenn Le Golf National seine Qualitäten von den Dächern ruft, gibt Morfontaine kaum einen Laut von sich – und das ist ganz bewusst so. Eingebettet in einen Wald nördlich von Paris wird dieser exklusive Privatclub regelmäßig zu den besten Plätzen Kontinentaleuropas gezählt, doch die meisten Golfer werden ihn nie betreten. Die Mitgliedschaft erfolgt ausschließlich auf Einladung, der Gastzugang ist streng limitiert, und der Club pflegt eine bewusste Abwesenheit in sozialen Medien und der öffentlichen Wahrnehmung.
Was macht Morfontaine so besonders? Die Streckenführung, zum einen. Tom Simpsons ursprüngliches Design von 1927 schlängelt sich durch sandiges, kiefernbewachsenes Gelände, das eher an die Heidelandschaftsplätze von Surrey erinnert als an irgendetwas, das man in der Île-de-France erwarten würde. Die Grüns sind subtil, die Bunkergestaltung ist kunstvoll statt bestrafend, und das Gesamtgefühl ist das einer tiefen Ruhe. Sollten Sie jemals das Glück haben, eine Einladung zu erhalten, streichen Sie alles andere aus Ihrem Kalender.
Les Bordes: Ambition in der Sologne
Südlich von Orléans, in den sumpfigen Wäldern der Sologne, hat Les Bordes in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Wandlung durchlaufen. Der ursprüngliche Platz, entworfen von Robert von Hagge und 1987 eröffnet, galt seit Langem als einer der besten Frankreichs. Doch die Ergänzung eines von Gil Hanse entworfenen New Course und erhebliche Investitionen in luxuriöse Unterkünfte haben Les Bordes zu einem Reiseziel aufgewertet, das nun mit Loch Lomond und Valderrama um die Aufmerksamkeit der anspruchsvollsten Golfer Europas konkurriert.
Der New Course ist eine Offenbarung. Hanse – der Architekt hinter dem gefeierten Olympia-Platz in Rio – hat etwas geschaffen, das trotz seiner Jugend uralt wirkt. Breite Fairways ermutigen zu aggressivem Driven, doch die Grünkomplexe verlangen Vorstellungskraft und Feingefühl. Es ist strategischer Golf in Vollendung, vor einer Kulisse aus Birken und wildem Heidekraut, das jeden Herbst in Violett erstrahlt. Das Anwesen bietet zudem hervorragende Gastronomie, ein erstklassiges Spa und jene unhektische Atmosphäre, die einen dazu verleitet, Tage statt Stunden zu verweilen.
Evian Resort: Wo die Alpen auf das Fairway treffen
Am Südufer des Genfer Sees nimmt der Evian Resort Golf Club eine der dramatischsten Lagen im gesamten Golfsport ein. Der Platz steigt in die Ausläufer oberhalb von Évian-les-Bains hinauf und bietet Panoramablicke über den See auf die Schweizer Alpen, die so absurd schön sind, dass sie beinahe ablenken. Hier ist die Heimat der Amundi Evian Championship, eines der fünf Majors der LPGA Tour, und der Platz spielt sich genauso anspruchsvoll, wie dieses Renommee vermuten lässt.
Was Evian über seine Turnier-Referenzen hinaushebt, ist das Gesamterlebnis. Das Resort selbst ist durchdrungen von Belle-Époque-Eleganz, die Mineralwässer sind legendär, und die umliegende Region Haute-Savoie ist ein Paradies für Feinschmecker. Nach Ihrer Runde können Sie auf der Terrasse des Clubhauses mit einem Glas Roussette de Savoie sitzen und zusehen, wie das späte Nachmittagslicht den See von Stahlblau in flüssiges Gold verwandelt. Es gibt schlechtere Arten, einen Abend zu verbringen.
Biarritz und das Baskenland: Golf mit Seele
Die südwestliche Ecke Frankreichs, wo die Pyrenäen in den Atlantik stürzen, beheimatet einige der ältesten Golfanlagen Kontinentaleuropas. Der Le-Phare-Golfplatz in Biarritz, gegründet 1888, liegt auf dramatischem Klippengelände mit Blick auf den Ozean, und seine Geschichte ist verwoben mit den britischen Aristokraten, die dieses baskische Fischerdorf im neunzehnten Jahrhundert in ein mondänes Seebad verwandelten. Willie Dunns ursprüngliches Design hat sich über die Jahrzehnte weiterentwickelt, doch der raue, windgepeitschte Charakter des Ortes ist unverändert geblieben.
In der Nähe bieten Plätze wie Chiberta in Anglet und Seignosse im Wald der Landes kontrastierende, aber gleichermaßen fesselnde Erlebnisse. Chiberta ist ein kieferngesäumter Klassiker, der Präzision vom Abschlag belohnt, während Seignosse, entworfen von Robert von Hagge, eine theatralischere Angelegenheit mit Wasserhindernissen und kühner Formgebung ist. Das Baskenland selbst bildet den perfekten Rahmen für eine Golfreise – die Surfkultur von Biarritz, die Pintxos-Bars von Saint-Jean-de-Luz und die raue Schönheit der Küste tragen zu einer Atmosphäre bei, die sich eine Welt entfernt anfühlt vom gepflegten Resort-Golf der Algarve oder der Costa del Sol.
Terre Blanche: Die Provence von ihrer luxuriösesten Seite
In den lavendelduftenden Hügeln oberhalb von Cannes ist Terre Blanche der Goldstandard für Resort-Golf im Süden Frankreichs. Das Anwesen verfügt über zwei von Dave Thomas entworfene Plätze – Le Château und Le Riou – die sich beide durch duftende Garigue und uralte Olivenhaine winden. Le Château ist der längere und anspruchsvollere der beiden, mit mehreren Bahnen, die einen weitreichenden Blick über die provenzalische Landschaft bieten, der bis zum Mittelmeer zu reichen scheint.
Terre Blanche ist ungeniert luxuriös. Das von Four Seasons geführte Hotel, das Albatros Golf Performance Centre und die herausragende Gastronomie machen es zu einem Reiseziel, das Golfer und Nicht-Golfer gleichermaßen anspricht. Es ist zudem ein ausgezeichneter Ausgangspunkt, um die Bergdörfer des Var, die Märkte von Fayence und die Lavendelfelder zu erkunden, die jeden Juni und Juli in spektakulärer Pracht erblühen.
Ein Plädoyer für die französische Golfkultur
Was mich am meisten am Golf in Frankreich beeindruckt, ist, wie nahtlos er sich in das breitere kulturelle Gefüge einfügt. In Schottland ist Golf die Kultur. In Frankreich ist Golf ein Faden in einem außerordentlich reichen Gesamtbild. Man spielt morgens achtzehn Loch, genießt ein Drei-Gänge-Menü zum Mittagessen, das anderswo das Highlight einer ganzen Woche wäre, besucht nachmittags ein mittelalterliches Dorf und beschließt den Tag mit einer Flasche Wein vom Weingut, an dem man auf dem Weg zum ersten Abschlag vorbeigekommen ist.
Der französische Golfverband hat zudem bewundernswerte Arbeit bei der Förderung des Sports im Inland geleistet. Jugendprogramme florieren, öffentlich zugängliche Plätze verbessern sich, und eine neue Generation französischer Profis – inspiriert von Victor Dubuissons Ryder-Cup-Heldentaten und der anhaltenden Klasse der Spieler auf der DP World Tour – bringt frische Energie in einen Sport, der einst als exklusives Terrain der Pariser Elite galt.
Frankreich wird die Britischen Inseln niemals als spirituelle Heimat des Golfs ablösen, und das sollte es auch nicht versuchen. Aber für den Golfer, der Abwechslung, Raffinesse und jene sinnliche Reichhaltigkeit sucht, die kein anderes Land in Europa bieten kann, ist Frankreich nicht nur eine Alternative. Es ist das Reiseziel, von dem man nicht wusste, dass man danach gesucht hat.